@little.paper.plane: „5 Fragen an… eine Hebamme“

Es ist eine Zeit der Veränderungen, in der wir leben. Oder zumindest eine Zeit, in der Veränderung bitter nötig ist. Und Veränderung geschieht nur dann, wenn ein Umdenken passiert. Es liegt also bei uns umzudenken - im Alltag, bei den kleinen Dingen - um einen großen Wandel zu erwirken. Zum Beispiel bei den Feuchttüchern. Diese begleiten Eltern meist vom ersten Tag an. Sie sind praktisch, immer parat und nicht nur beim Windelwechseln, sondern auch als alltägliche Haushaltshilfen zur Stelle.

Viele Feuchttücher werben damit, dass sie reißfest sind. Warum sie das sind? Die Tücher enthalten Plastik. Polyester oder Polypropylen sind in Feuchttüchern leider keine Seltenheit. Sie führen dazu, dass sich die Tücher im Wasser oder in der Natur nicht zersetzen und so Kunststofffasern und Mikroplastik bei falscher Entsorgung im Abwassersystem oder sogar in den Flüssen oder in der Natur landen.

Hilft nur Verzicht?

Jedoch sind nicht alle Feuchttücher gleich böse und man muss auch nicht sofort darauf verzichten. Um die Umwelt zu schonen reicht es, sich für die richtigen Feuchttücher zu entscheiden – ohne Hidden Plastic. Technik sei Dank, gibt es nämlich mittlerweile Fasern natürlichen Ursprungs, die vollständig biologisch abbaubar sind, sich im Wasser auflösen und die Abflussrohre nicht verstopfen. Denn der Verzicht von Feuchttüchern, wäre nicht nur in manchen Lebenslagen ziemlich bitter, sondern auch in so manchen Berufsgruppen schwer möglich. Ich habe eine Hebamme zum Thema Babys, Feuchttücher und AHA-Momente befragt.

Ulli B., Hebamme seit 36 Jahren, dreifach Mama und Oma von zwei Kindern

Wie viele Geburten hast du bisher begleitet?

Die ersten Jahre schrieb ich noch alle Geburten auf, die ich begleitet hab, irgendwann werden die Wochen zu Monaten und die Monate zu Jahren... Es werden aber einiges über 2000 Geburten sein.

Was war dein größter AHA Moment in deinem Berufsleben?

Eine Geburt ist eine sehr intensive Lebensphase für die werdende Mutter, Vater und Kind. Es gibt immer wieder besondere Ereignisse bei Geburten, ich bin bei jeder Geburt noch immer sehr beeindruckt über die Kraft und das Wunder des beginnenden Lebens. Als Hebamme ist es ein Privileg solche Momente miterleben zu können.

Gibt es Dinge, die sich in den vergangenen Jahren auf der Station geändert haben?

Eine große Veränderung in meinen 36 Berufsjahren ist der sehr großzügige Umgang mit Einwegmaterialien, die vor allem aus hygienischen und wirtschaftlichen Gründen verwendet werden müssen. Diese Wegwerfmentalität finde ich persönlich nicht sehr gut. Vor allem deswegen, weil wir bereits Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit „Jute statt Plastik“ versucht haben Müll zu vermeiden. Wenn ich wüsste, dass die Einwegprodukte wie Handschuhe oder Feuchttücher biologisch abbaubar sind, wäre mein Gewissen um einiges beruhigter.

Gibt es auf der Geburtenstation Feuchttücher und wenn ja, wird darauf geachtet, dass sie nachhaltig sind?

Ja, natürlich gibt es Feuchttücher auf der Station – was würden wir nur ohne sie tun? Allerdings versuchen wir den Verbrauch so gut es geht zu vermeiden. Bei uns auf der Geburtenstation werden die Säuglinge meistens mit einem in Wasser getränkten Einmalhandschuh gereinigt. Ich persönlich finde Feuchttücher vor allem für unterwegs sehr praktisch, da sie eine schnelle und einfache Lösung sind Wickelkinder zu reinigen. Ich selber war jahrelang sehr skeptisch was Feuchttücher angeht, daher freut es mich umso mehr, dass langsam aber sicher nachhaltige Alternativen gibt, die nicht aus erdölbasiertem Plastik hergestellt werden.


Drei Dinge, die du allen frischgebackenen Mamas und Papas gerne mitgeben würdest.


Geduld haben, Kinder lernen uns sehr viel! Wichtig ist auch, auf die eigenen Empfindungen zu achten und sich nicht von Suchmaschinen und Literatur irritieren lassen. Zudem würde ich raten, trotz der Umstellung und den Anstrengungen die ein Familienzuwachs mit sich bringt, nicht auf die Pflege der sozialen Kontakte zu vergessen.
Kinder lernen sehr schnell und speziell in der frühen Lebensphase gelten die Eltern meistens als Vorbild oder Idole. Das ist auch ein guter Zeitpunkt, die richtigen Werte mitzugeben, wie etwa Liebe, Selbstvertrauen und ein respektvoller Umgang mit anderen und der Umwelt.
#ItsInOurHands.

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