
Bis 2050 wird das Gesamtgewicht des Plastiks im Meer das der Fische übersteigen^ – steht die „Plastiksuppe“ schon auf dem Speiseplan?
Nach Angaben der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) wird bis es bis 2050 mehr Plastik als Fische im Meer geben. Die Ursache: Plastikabfälle machen 80 Prozent der gesamten Meeresverschmutzung aus. Jedes Jahr gelangen rund 10 Mio. Tonnen Kunststoff in die Weltmeere^, was der Füllmenge von 4.000 olympischen Schwimmbecken entspricht.
Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Plastik nicht biologisch abbaubar ist; es wird nur immer kleiner und kleiner. Es wird spröde und zerfällt allmählich, wenn es dem Sonnenlicht ausgesetzt ist oder von Tieren angenagt wird. Dieser Prozess kann bis zu 500 Jahre dauern. Die US-Umweltschutzbehörde EPA geht davon aus, dass praktisch sämtliches Plastik, das der Mensch jemals verwendet hat, noch existiert^.
Hat ein Plastikartikel seine Funktion erfüllt und wird nicht mehr gebraucht, werfen wir ihn in der Regel weg, und er landet auf einer Mülldeponie. Manche Artikel schaffen es gar nicht erst dorthin – sie werden weggeweht, in einer falschen Mülltonne entsorgt, in eine Hecke geworfen oder am Strand liegengelassen. Regen und Wind nehmen leichte Plastikgegenstände auf, und so gelangen sie in unsere Wasserstraßen und Meere. Dabei zerfallen sie in kleinere Teile, werden leichter und können entsprechend einfacher weggeweht oder weggespült werden.
Hinzu kommt, dass aufgrund der riesigen Abfallmengen, die verarbeitet werden, unsachgemäße Abfallentsorgung und illegale Verklappung von Abfällen keine Seltenheit sind – was wiederum den Plastikanteil in den Weltmeeren erheblich erhöht.

Dies hat zu einer unhaltbaren Situation in den Weltmeeren geführt: zur Bildung einer „Plastiksuppe“. Auf dem Meeresgrund treiben Plastiktüten, die von Algen heruntergedrückt werden, riesige Inseln aus Plastikmüll und Billionen winziger Plastikmoleküle, die an der Oberfläche schwimmen. Jüngsten Schätzungen zufolge gibt es im Meer 358 Billionen Mikroplastikpartikel[1] und eine unbekannte Menge in den Tiefen der Ozeane.
Plastik im Meer kann giftige Schadstoffe aus dem Meerwasser aufnehmen und anreichern. Nach Angaben der Plastic Pollution Coalition kann Plastik eine Mischung aus über 16.000 verschiedenen Chemikalien enthalten.[2] Darüber hinaus kann Plastik bei seiner Zersetzung krebserregende Chemikalien und Schwermetalle wie Dioxine, PCB[3] und Blei freisetzen.
Meerestiere können Plastik nicht immer von Nahrung unterscheiden und füllen daher ihre Mägen mit unverdaulichem Plastik und Plastikpartikeln, die mit giftigen Schadstoffen belastet sind. Auch der Mensch ist vor diesem Prozess nicht sicher: Wir verzehren Fische und Meeresfrüchte, die Plastik und Nanoplastik aufgenommen haben – und diese Partikel sind auch im Trinkwasser zu finden.
Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden die Meerestiere und Ozeane ersticken, und wir werden mit diversen Erkrankungen zu kämpfen haben. Wir setzen uns schädlichen Chemikalien und Verbindungen aus, die unser Nervensystem, unsere Fruchtbarkeit und unsere Gesundheit im Allgemeinen beeinträchtigen können.[4]
Daher gilt: Überlegen Sie gründlich, bevor Sie eine Wasserflasche aus Plastik kaufen, in Plastik verpacktes Essen bestellen oder eine neue, nicht wiederverwertbare Zahnbürste kaufen. Verzichten Sie auf Tücher aus Plastik und auf nicht biologisch abbaubare Tuchgesichtsmasken – diese Artikel bleiben ewig in der Umwelt. Wir müssen uns gemeinsam für wiederverwendbare Alternativen stark machen und nachhaltige Praktiken unterstützen. Es liegt in unserer Verantwortung, dazu beizutragen, die Gesundheit unseres Planeten für künftige Generationen zu erhalten.
^ https://oceanliteracy.unesco.org/plastic-pollution-ocean/
[3] Polychlorierte Biphenyle sind hochgradig krebserregende chemische Verbindungen, die früher in Industrie- und Konsumgütern verwendet wurden. https://oceanservice.noaa.gov/facts/pcbs.html
[4] https://www.nature.com/articles/s41591-024-02968-x